
Bloody bitch
Versunken starrte er in die Pixelwüste des Monitors,
Gedanken schweiften zügellos umher. Er blickte auf die Uhr: Noch drei
Stunden bis zum Abgabetermin des Manuskripts. Drei Stunden, um der Geschichte
den letzten Schliff zu geben drei Stunden, um gegen die Schreibblockade
zu kämpfen.
Fast aufgebraucht der Vorschuss, den er für sein Exposé erhalten
hatte, er hatte keine Wahl.
Sein Blick fiel auf den leicht im Wind wehenden Vorhang. Er lauschte den
Geräuschfetzen, die von der Straße zu ihm heraufdrangen, spürte
den inneren Widerstreit, der ihn am Schreiben hinderte. Aber warum wehte
der Vorhang? Nein, nie hatte er Durchzug, er fürchtete ihn und so achtete
er darauf, dass die Tür zu seinem Schreibzimmer immer geschlossen war.
Wieder fiel sein Blick auf das Stoffwehen am Fenster.Er wollte sich umdrehen,
als zweierlei geschah: Eine Hand packte seinen Schopf und ein spitzer Gegenstand
bohrte sich in seinen Kehlkopf. Psssst, Süßer, ganz ruhig.
Keine Bewegung, verstanden! Er versuchte, zu schlucken, spürte,
wie die Spitze weiter in ihn drang.
Los schreib! Schreib eine Geschichte. Für mich! Ganz alleine
für mich! Hast Du mich verstanden? Ein vorsichtiges Nicken, er
hatte verstanden. Was soll ich schreiben? Egal! Hauptsache
Ficken und Tote! Tote Menschen, und komm mir nicht mit sonem
Scheiß wie toten Tieren und so!
Er spürte heißen Atem an seinem Ohr, sog den Duft eines schweren
Parfums ein und begann. Begann, um sein Leben zu schreiben, immer schneller
hieben die Finger in die Tastatur, verschrieben sich, korrigierten... er
schrieb um sein Leben.
Das reicht, es reicht! Erleichtert lehnte er sich ein Stück
zurück, als ein schneller Schnitt seine Kehle
durchtrennte und sein Kopf auf das Keyboard geschmettert wurde. Die Tasten
ertranken in roter Flut.
Leise wehte der Vorhang.
Sie trat ins Freie und blickte blinzelnd ins helle Licht. Als sie den peitschenden
Knall des Revolvers hörte, hatte das Geschoss schon ihren Schädel
wieder verlassen.
You missed the webcam, bitch!